Letzten Montag hatte ich ein wichtiges Gespräch mit meiner
Sozialbetreuerin von meiner beruflichen Reha, welche ich aus zwei
Gründen vorzeitig beenden werde: 1) meine Belastungsgrenze ist für eine Vollzeitbeschäftigung (welche Grundvoraussetzung für die von mir angestrebte Umschulung ist) noch nicht ausreichend und 2) ich bin schwanger.
Wenn
ich mit Menschen über meine Vielheit reden muss, die innerhalb unseres
Systems keinen Vertrauenstatus besitzen, so sind derartige Gespräche
immer arg ambivalent und sehr schwer aushaltbar. Selbst unter dem
Aspekt, dass ich mich weitesgehend daran gewöhnt habe, über meine
Vielheit zu reden und die meisten Anteile sich mit eben jener abgefunden
haben. Doch es ist nach wie vor schwer, dass sich ein außenstehende
Mensch eben den Vertrauensstatus bei uns verdienen kann. Die Sympathie
für eben jene Menschen ist hierbei nicht der ausschlaggebende Punkt,
wobei es natürlich von Vorteil ist, wenn jene Person die Mehrheit des
Systems für sich gewinnen kann. Doch sind ganz bestimmte Teile nicht
unter den Sympatisanten, so hat der Andere schon von vornherein
verloren, selbst wenn dreiviertel des Gesamtsystems auf dessen Seite
steht.
Dies mag vielleicht irritierend und
unverständlich klingen, doch auf Grund dessen ist es eben möglich, mit
den "richtigen" Leuten über uns zu reden, auch wenn man jenen nicht
wirklich vertraut. Besonders im Sinne meines Reha-Prozesses ist dies von
enormer Wichtigkeit. Denn auf dem Weg für meine berufliche
Neuorientierung bin ich schon auf einige Menschen gestoßen, mit denen
ich unter anderen Umständen niemals reden würde. Eine von jenen Menschen
war meine erste Reha-Beraterin (2010, noch erträglich gewesen) von der Rentenstelle (sie löste regelrechte Wutanfälle aus, die enorme Konzentration in der Erschaffung der Schutzwälle verlangte) und eine Zweite, welche meine erste Psychologin während meiner ersten Trauma-Behandlung (2007, unerträglich)
in einer psychosomatischen Klinik war. Mit dieser Dame flogen
grundsätzlich während der Sitzungen die Fetzen, die mir auch immer noch
ein Extra-Gespräch bei der Oberärztin der Station einbrachten.
Bei
meiner aktuellen Sozialbetreuerin für meine berufliche Reha hab ich
zwar nicht solch gravierende Probleme, doch sie reichen aus, dass ein
verschärftes Durchgreifen innerhalb des Systems notwendig ist, um den
weiteren Weg für meine berufliche Wiedereingliederung zu sichern. Und
eben jetzt am Montag hatte ich erstmals ein Gespräch mit ihr, dass mich
etwas auftauen ließ und zur Beruhigung des Systems beitrug.
Klar,
wenn man so exotisch ist, wie ich es bin, ist man es gewöhnt, ständig
von Menschen umgeben zu sein, die keine Ahnung haben, wie man sich fühlt
und wie schwer es ist, mit anderen Menschen klar zu kommen. Auch, warum
bestimmte Dinge rigeros zum eigenen Schutz abgelehnt werden, um das
eigene emotionale Überleben zu sichern. Wobei es natürlich immer
angenehm ist, wenn der Andere wenigstens versucht, zu verstehen, warum
bei mir einiges anders funktioniert als bei den meisten anderen
Menschen. Nur wenn durch jenem Menschen ziemlich viel abhängig ist, mein
großes Ziel zu erreichen, ist es bisweilen nach wie vor einfach nur
belastend mit einem enorm hohen Streßfaktor.
Eben eine reine Nervensache.