Von Skills mag man halten, was man will. Und in der Psychotherapie gibt es einen ganzen Haufen, die angeblich für Harmonie und Ausgeglichenheit sorgen sollen. Zu dumm, dass das Meiste davon nicht bei einem Multi wirkt. Es gibt auch einen ganzen Haufen an Gründen, warum das so ist. Und während meiner therapeutischen Laufbahn als Patient hab ich auch die verschiedensten Typen an jenen kennengelernt. Bisweilen war es einfach nur zum Haare raufen, doch zum Glück stand ich schon immer gut mit meinen Beschützeranteilen, welche dafür sorgten, dass wir vor Unholden geschützt waren. (Das tun sie natürlich immer noch.)
Die Komplett-Analyse der Therapeuten-Typen ergibt, dass die meisten von diesem Volk keine Ahnung von der Dissoziativen Identitätsstörung haben. Diese Gruppe spaltet sich in zwei Haupttypen auf: jene, die versuchen zu verstehen, wie es funktioniert und jene, die zwar Kenntnis davon haben, sie aber rigeros ablehnen, da sie dieses "Krankheitsbild" für puren Nonsens halten. Mit letzerer Gruppe haben wir uns in der Vergangenheit gern und oft gestritten. Ihnen sozusagen ihre Ignoranz und Inkompetenz vor die Füsse gehauen.
Als ich 2007 von der Trauma-Therapie in Pulsnitz wieder nach Hause kam, hab ich dieses Thema komplett an den Nagel gehangen und wollte es wieder auf meine ganz eigene Art machen. Meine alte Therapeutin, die nach wie vor meine Neurologin war (zwischenzeitlich ist sie verstorben), redete mit Engelszungen auf mich ein, wenigstens noch einen Psychologen eine Chance zu geben. Ich machte ihr Unmissverständlich klar, dass es diesmal ausschließlich zu meinen Bedingungen laufen sollte. Es ist wirklich einfach nur grausam, was für einen Schaden Unwissende anrichten können, die sich für unfehlbar halten.
Auf einigen Umwegen bin ich dann also bei Frau A. gelandet, welche jene ganz eindeutig entscheidend dazu beigetragen hat, dass ich heute das Leben führen kann, welches ich nun führe. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich mal so mit mir selbst im Reinen sein könnte. Auch wenn es nach wie vor noch viel zu erlernen gibt, so haben diese ständigen Kämpfe und das Gezerre in mir aufgehört und ich kann produktiv und ohne diesen betäubenden Schmerz über mein Leben nachdenken und es authentisch ausrichten. Und was noch viel wichtiger ist: ich bin selbst meiner Authenzität einen großen Schritt näher gekommen. Nie zuvor gab es weniger "Lügen" und meine chronische Leere (die immer herrschte, wenn ich nicht vor Schmerz in Flammen stand) fing an, sich zu füllen.
Wenn ich so darüber nachdenke, kann ich auch nicht mit Gewissheit sagen, welcher Skill am meisten geholfen hat. Ohne Zweifel stehen ganz oben auf der Liste unsere Konferenzen, dicht gefolgt von der "laute Ansage" und dem "Archiv führen". Dies sind meines Erachtens die wichtigsten Skills, die ein Multi neben einigen regulären Anderen (die allerdings etwas anders Anwendung finden sollten) drauf haben sollte, wenn er/sie möchte, dass das Chaos verschwindet bzw. in einen Rahmen zusammen läuft, mit dem man relativ gut leben kann.
Das Chaos selbst, in dem ich mal lebte, ist übrigens die höchste Motivation überhaupt, warum ich mich die letzten drei Jahre so mit der Therapie abgequält habe. Denn das Chaos, "Lügen" und eine ausschweifende Phantasie sind Dinge, die einfach jeden Multi mit anderen Multis vereinen. Obschon man an dieser Stelle die emotionale Überlastung bzw. die ausschweifenden Exzesse in jenen Dingen ebenso dazu gehören. Genauso wie der ständige Druck, "nicht gehört" zu werden.
Und natürlich, wie sollte es auch anders sein, stehen diesen Dingen natürlich auch immer das Gegenteil noch gegenüber: man möchte nicht gehört werden und lieber in Ruhe gelassen werden, Dinge verschwinden im Nirvana und man fragt sich: verdammt, ich weiß genau: da war was!!! Es geht einfach nicht. Man gibt sich wieder hin und peng.... da isses wieder. Drama....
Aprobo.... es ist Zeit, unsere all morgendliche Konferenz für den heutigen Tagesablauf abzuhalten :) mal gucken, was heute so auf den Plan steht (ich bin ja "nur" über die äußeren Prozesse im Bilde)